Hochbegabtencoaching
Was bedeutet Hochbegabung und Hochintelligenz?
Klassischerweise versteht man unter Hochbegabung eine überdurchschnittliche, logisch-analytische Intelligenz. Für standardisierte Intelligenztests verwendet man Verfahren, die nicht nur logisch-analytische Intelligenz messen sondern auch sprachliche, figurale und mathematische Intelligenz sowie Merk- und Konzentrationsfähigkeit beinhalten.
Menschen die mindestens einen IQ von 130 aufweisen, gelten als hochbegabt.
Dieser Wert entspricht rd. 2,6% der normierten Vergleichsstichprobe. Forschungsergebnisse zeigen, dass das Gehirn überdurchschnittlich intelligenter oder begabter Menschen mehr, schneller und komplexer Informationen aufnehmen, speichern, verarbeiten und weitergeben kann als das Gehirn normal intelligenter Menschen.
In der Hochbegabtenforschung wird der Begriff "Hochbegabung" heute weiter gefasst. Neben der klassischen, logisch-analytischen Beschreibung der Hochbegabung, gibt es noch die sprachliche, künstlerische, musikalische, inter- und intrapersonale, räumlich-figurale, mathematische und psychomotorische Begabung.
Nicht alle genannten Begabungen lassen sich durch wissenschaftliche Intelligenztests erfassen. Ein IQ-Test allein kann keine tragfähige Grundlage sein oder Auskunft über den Menschen geben.
Hochbegabte in KiTa / Schule
Es geht nicht um spezielle Sonderbegabungen a la Mozart oder Beethoven auf einem bestimmten Gebiet wie z.B. Musik, Kunst, Physik, Mathematik oder Sport.
Hochbegabung bezieht sich auf grundlegende Faktoren die Intelligenz ausmachen, wie z.B. Denkgeschwindigkeit, Aufmerksamkeitsspanne, Erkennen logischer Zusammenhänge und Regeln, neugieriges und kreatives Finden und Wissen.
"Begabung bedeutet nicht gleich Leistung!"
Dass ein hochbegabtes Kind z.B. nur Einser auf dem Zeugnis hat, ist ein Vorurteil und leider ist es häufig ganz und gar nicht so. Es ist ein Mythos, dass ein Mensch aufgrund seiner besonderen Begabung die schulischen Anforderungen gut bewältigt. Üben und Lernen müssen auch Hochbegabte. Die Problematik dabei ist, dass begabte Kinder erst viel zu spät oder gar nicht Üben, Lernen oder Anstrengung erlernt haben. Man muss keineswegs hochbegabt sein, um in Schule oder Beruf Erfolg zu haben. Lediglich 15% der hochleistenden Schüler sind hochbegabt. Die anderen 85% sind nicht hochbegabt und erbringen trotzdem Höchstleistungen. Begabung ist ein Potenzial.
Persönlichkeitsmerkmale wie:
- Motivation
- Anstrengung
- Arbeitshaltung
- Durchhaltevermögen
- Lernstrategien
müssen - im Einklang mit dem sozialen Umfeld - zusammenfließen, damit Hochbegabung / Hochleistung funktionieren können.
Triadisches Modell nach Mönks (1990)
Hochbegabung braucht Unterstützung, genauso wie Minderbegabung eine Förderung in Form von Sonderpädagogik erhält.
Hochbegabung ist äußerlich nicht sichtbar, sie ist keine Krankheit und auch keine therapiebedürftige Behinderung. Hochbegabte sind keine Sonderlinge die an der realen Welt vorbei leben. Die „ Genie-Wahnsinn-These“ entspricht nicht den Tatsachen. Hochbegabte Menschen entwickeln nicht zwangsläufig eine pathologische Persönlichkeitsstörung.
Hochbegabung ist eine CHANCE, allerdings nur bei entsprechender Erziehung und Unterrichtsgestaltung.
Typische Merkmale für Hochbegabte
- Starke Neugier, großer Wissensdurst, hohe Lernmotivation
- Schnelles Denk- und Auffassungsvermögen. Häufig Frustration, wenn andere „ zu langsam“ denken
- Schnelles und gründliches Durchdringen von Themen, Interesse an vielen verschiedenen Themen. Ungewöhnlich, häufig wechselnde Interessen
- Langeweile und Unterforderung bei fehlenden neuen Reizen
- Neigung zum Perfektionismus
- Hohes Verantwortungsgefühl
- Freude an intellektueller Herausforderung
- Das Bedürfnis, Dinge und Situationen zu analysieren und zu verbessern
- Anecken, Akzeptanzprobleme im sozialen Umfeld, Konflikte mit Autoritätspersonen
- Zwischenmenschliche Konflikte durch Neigung zum Frei-, und Querdenken
- Hohe Ansprüche an Freundschaften (Qualität, Quantität)
- Hohe Sensibilität, starkes Gerechtigkeitsempfinden und Einsatzbereitschaft für Andere
- Geringes Interesse an Small-Talk (zu oberflächlich, zu anstrengend)
- Selbstzweifel
- Hohe Intensität im emotionalen Erleben
- Schnell Angeregtheit bzw. Überstimulation (Overexciteability)
IQ ist kein Garant für Höchstleistungen!!!!
Underachiever (Minderleister) bleiben trotz hoher Intelligenz weit unter ihren Fähigkeiten.
Als ursächlich gilt ein ungünstiger Kindheits- und Entwicklungsverlauf.
Typische Merkmale für
Underachiever
- Unterdurchschnittliche Leistungen während der Schulzeit, der Ausbildung oder im Beruf aufgrund intellektueller Unterforderung
- Autoritätskonflikte mit Lehrern, Vorgesetzten oder sonstigen Autoritätspersonen
- Leistungseinbrüche beim Übergang von der Grundschule zum Gymnasium (häufig 2. Halbjahr, 6. Klasse), während der Ausbildung bzw. des Studiums
- Mangelndes Selbstwertgefühl aufgrund negativer Resonanz des Umfeldes auf die eigene Person
- Psychosomatische Belastungen als Folge von Überforderung, überhöhten Leistungsansprüchen an sich selbst, Ausgrenzung, qualitativ oder quantitativer Unterforderung (Boreout), Demotivation oder Selbstzweifel
Hochbegabung und Hochsensibilität
Vielen Betroffenen ist das Phänomen Hochsensibilität nicht bekannt. Sie fühlen sich anders, oft falsch, nicht in Ordnung (Alien-Gefühl). Viele Hochsenbile (besonders Mädchen/Frauen) versuchen oft sich anzupassen, nur um sich zugehörig zu fühlen. Diese vergeblichen Versuche können zu psychosomatischen Problemen führen.
Die Wahrnehmungsfähigkeiten von sensiblen Personen (Highly Sensitive Person, HSP) unterscheiden sich deutlich von der Mehrheit.
In jeder Sekunde sind Menschen inneren und äußeren Reizen ausgesetzt.Diese werden über die Sinneskanäle aufgenommen und verarbeitet. Um das Gehirn vor Reizüberflutung zu schützen, gibt es sogenannte Wahrnehmungsfilter. Bei hochsensiblen Personen filtern diese bis zu 95% der Informationen und lassen nur durch, was Relevanz hat. Bei HSP lassen die Wahrnehmungsfilter des Gehirns permanent mehr Reize und Informationen durch als bei normalsensiblen Menschen. Die Analyse und Verarbeitung sind umfassender und intensiver.Deshalb wirken HSP oft zu Unrecht als wenig belastbar.
Nicht alle HSP sind gleich. Visuelles, Auditives, Kinästhetisches, Olfaktorisches und Gustatorisches werden in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen.
Aussagen, mit denen Hochsensible häufig konfrontiert werden:
"Du bist viel zu empfindlich!"
"Du nimmst Dir alles zu sehr zu Herzen!"
"Du bist immer so kompliziert!"
"Du bist viel zu dünnhäutig!"
Im Coaching mit hochbegabten Menschen möchte ich Betroffenen helfen, sich selbst und ihre Gabe der Hochbegabung (und häufig auch der Hochsensibilität) anzunehmen, wertzuschätzen und sie in unterschiedlichen Lebensbereichen sinnerfüllend zu nutzen.
Vertiefende Informationen:
Werke von Elaine N. Aron, US- amerikanische Psychologin
Andrea Brackmann
Georg Parlow und Dr. Marianne Skarics
Ich freue mich auf Sie!
Ihre Marina Siemes